Aus! Waterford Distillery insolvent: Eine Vision am Ende

Aus! Waterford Distillery insolvent: Eine Vision am Ende - Maltimore - Premium Whisky Onlineshop

Die fetten Jahre des Whiskys scheinen vorbei zu sein. Nach der Insolvenz von Mackmyra im September musste im November auch die renommierte Waterford Distillery in Irland Konkurs anmelden. Damit steht eines der ambitioniertesten Brennereiprojekte der letzten zehn Jahre vor dem Aus.

Ein ambitioniertes Projekt mit einzigartigem Ansatz

Als Mark Reynier 2015 von Diageo ein altes Brauereigelände erwarb, hatte er eine klare Vision: nicht nur den bestmöglichen Whisky herzustellen, sondern auch das bis dahin in der Whisky-Welt unterrepräsentierte Konzept des Terroirs in den Mittelpunkt zu stellen. Diesen Ansatz hatte er zuvor bereits erfolgreich bei der Bruichladdich-Brennerei verfolgt, die er im Jahr 2000 maßgeblich wiederbelebt hatte. Doch mit Waterford sollte das Terroir der Gerste das absolute Rückgrat der Marke werden.

Im April 2022 stellte Waterford mit dem "1st Cuvée: Pilgrimage" ihren ersten Whisky vor, der aus dem Getreide von 35 Farmen komponiert wurde und für Furore sorgte. Dies lag nicht zuletzt am ungewöhnlichen Flaschendesign, das bewusst mit alten Konventionen brach. In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche weitere Abfüllungen, doch eine Core Range blieb aus – vermutlich aufgrund des jungen Alters der Brennerei.

Finanzielle Schwierigkeiten und die Insolvenz

Trotz eines vielversprechenden Starts kämpfte Waterford in den letzten Jahren mit finanziellen Problemen. Ende November 2024 setzte die Brennerei zwei Insolvenzverwalter ein, nachdem es nicht gelungen war, frisches Kapital zu beschaffen. Dies markiert den traurigen Höhepunkt mehrwöchiger Sanierungsbemühungen durch Waterford und deren Hauptkreditgeber, die HSBC Bank. Nun stehen zwei Möglichkeiten im Raum: Entweder findet sich ein neuer Investor, oder es werden Vermögenswerte wie Whisky-Bestände und die Brennerei selbst veräußert.

Waterfords letzte Bilanzen zeigen, dass das Unternehmen 2022 einen Umsatz von drei Millionen Euro erzielte – ein Rückgang um 300.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Verluste beliefen sich auf 7,7 Millionen Euro, während die Whisky-Bestände mit einem Wert von 40,1 Millionen Euro beziffert wurden. Besonders problematisch war offenbar die Wahl des Vertriebspartners in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt für irischen Whisky.

Lektionen aus dem Scheitern

Experten sehen mehrere Gründe für das Scheitern der Waterford Distillery. Einerseits fehlte eine klare Core Range, die als Aushängeschild der Marke hätte dienen können. Stattdessen setzte Waterford auf eine Vielzahl an Releases, um die Nuancen der terroir-geprägten Gerste hervorzuheben – ein Konzept, das manche Konsumenten eher verwirrte als begeisterte. Andererseits könnte auch die hohe Preisgestaltung eine Rolle gespielt haben. Die Kosten für eine nachhaltige, biodynamische Produktion waren enorm, was sich in einem hohen Endpreis widerspiegelte. Zudem hatte Waterford durch das Aufkommen zahlreicher neuer irischer Destillerien eine stärkere Konkurrenz als zu Beginn erwartet.

Ein weiteres Problem war der Zweitmarkt: Viele Waterford-Abfüllungen waren bei Auktionen günstiger zu bekommen als im regulären Handel, was zu einem Nachfragerückgang im Retail-Bereich führte.

Was bedeutet das für die Whisky-Welt?

Der Niedergang von Waterford ist nicht nur ein herber Verlust für die Fans der Brennerei, sondern auch ein warnendes Beispiel für die gesamte Whisky-Industrie. Trotz Innovation, Transparenz und einzigartigem Branding konnte Waterford nicht die wirtschaftliche Stabilität erreichen, die nötig gewesen wäre, um langfristig am Markt zu bestehen.

Mark Reynier selbst hat sich tief betroffen über die Insolvenz geäußert und betont, dass er und sein Team alles versucht hätten, um die Brennerei am Leben zu halten. Ob Waterford in irgendeiner Form zurückkehren wird, bleibt ungewiss. Doch eines ist sicher: Die Vision, dass Terroir eine entscheidende Rolle im Whisky spielen kann, hat Waterford trotz allem eindrucksvoll bewiesen.

Sichern Sie sich jetzt noch eine Flasche als Andenken an die Waterford Distillery.